Recht und Compliance

Sofortmeldung für Eventpersonal: Wer sie braucht, wann sie fällig ist, was sie kostet

Die Sofortmeldung nach § 28a Abs. 4 SGB IV gilt für Gastronomie, Schausteller, Messebau, Sicherheit und weitere Branchen. Ob Ihr Festival darunter fällt, was gemeldet wird und wie Sie es am Einsatztag hinbekommen.

Adrian Hof, Gründer, EVENTRAGeprüft am

Kurz gesagt

  • Die Sofortmeldung ist eine zusätzliche Meldung an die Rentenversicherung, die spätestens bei Beschäftigungsaufnahme abgegeben sein muss. Sie ersetzt nicht die normale Anmeldung zur Sozialversicherung.
  • Pflichtig sind bestimmte Branchen, darunter Gaststätten und Beherbergung, Schaustellergewerbe, Messebau, Wach- und Sicherheitsgewerbe, Gebäudereinigung, Speditionen und Baugewerbe. Ein Veranstalter fällt darunter, wenn sein Betrieb oder der betroffene Betriebsteil zu einer dieser Branchen gehört.
  • Eine fehlende oder verspätete Sofortmeldung kostet bis 25.000 Euro Bußgeld, ein nicht mitgeführter Ausweis bis 5.000 Euro. Zoll und Rentenversicherung prüfen bei Festivals gezielt Bar, Security und Aufbau.
  • § 28a Abs. 4 SGB IV
  • § 2a SchwarzArbG
  • § 8 SchwarzArbG
  • § 111 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV
  • § 6 DEÜV
Für Festivals: Bewerbung, Schichtplan, Check-in und Lohnbüro in einem System.Lösung ansehen
Bar-Crew in einheitlichen Shirts versammelt sich vor der Öffnung zum Briefing
120 Barkräfte, die Freitag um 14 Uhr anfangen: Die Sofortmeldungen müssen vormittags raus.

Die Sofortmeldung ist eine Meldung an die Datenstelle der Rentenversicherung, die der Arbeitgeber spätestens bei Aufnahme der Beschäftigung abgeben muss, wenn sein Betrieb zu einer der in § 28a Abs. 4 SGB IV genannten Branchen gehört. Sie soll Schwarzarbeit erschweren: Ein Prüfer am Festivalgelände kann in Echtzeit sehen, ob die Person an der Bar gemeldet ist. Für Veranstalter ist sie keine Frage der Beschäftigungsform, sondern der Branche, in der die Person eingesetzt wird.

Sofortmeldepflichtige Branchen nach § 28a Abs. 4 SGB IV

Das Gesetz zählt die Branchen abschließend auf:

  • Baugewerbe
  • Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe
  • Personenbeförderungsgewerbe
  • Speditions-, Transport- und damit verbundenes Logistikgewerbe
  • Schaustellergewerbe
  • Unternehmen der Forstwirtschaft
  • Gebäudereinigungsgewerbe
  • Unternehmen, die sich am Auf- und Abbau von Messen und Ausstellungen beteiligen
  • Fleischwirtschaft
  • Prostitutionsgewerbe
  • Wach- und Sicherheitsgewerbe

Für ein Festival sind vier davon relevant: das Gaststättengewerbe für Ausschank und Catering, das Schaustellergewerbe für Fahrgeschäfte und Buden, der Messebau für Auf- und Abbau, und das Wach- und Sicherheitsgewerbe für Security. Die Bühnencrew, das Einlasspersonal und die Volunteers am Infopoint fallen nach dem Wortlaut nicht darunter, solange der Betrieb des Veranstalters nicht insgesamt einer der Branchen zuzuordnen ist.

Bereich beim FestivalBranche nach § 28a Abs. 4 SGB IVSofortmeldung
Bar, Ausschank, Catering in eigener RegieGaststättengewerbeJa, für den gastronomischen Betriebsteil
Security mit eigenen AngestelltenWach- und SicherheitsgewerbeJa; bei einem beauftragten Sicherheitsdienst meldet dieser
Fahrgeschäfte, Buden, SpielständeSchaustellergewerbeJa, beim Betreiber
Auf- und Abbau, wenn der Betrieb Messen und Ausstellungen auf- und abbautMessebauJa, beim Messebaubetrieb
Shuttle mit eigenem FahrdienstPersonenbeförderungNur, wenn der Betrieb dieser Branche zuzuordnen ist; ein beauftragter Busbetrieb meldet selbst
Bühnencrew, Einlass, Infopoint, Produktionsbürokeine der genanntenNein, solange der Betrieb nicht insgesamt einer Branche zuzuordnen ist
Ehrenamtliche Helferkeine BeschäftigungNein

Ob ein Betrieb pflichtig ist, entscheidet sein überwiegender Zweck. Bei gemischten Betrieben kann ein abgrenzbarer Betriebsteil für sich pflichtig sein: Der Veranstalter, der die Bars selbst betreibt, hat einen gastronomischen Betriebsteil. Diese Einordnung sollte schriftlich mit der Steuerberatung festgehalten werden, damit sie bei der Prüfung nicht am Zaun diskutiert werden muss.

Sofortmeldung in der Gastronomie

Die Festivalbar ist der häufigste Fall. Wer Ausschank und Catering selbst betreibt, meldet jede Barkraft vor der ersten Schicht, auch die Teilzeitkraft, den Minijobber und die kurzfristige Aushilfe für ein Wochenende. Die Beschäftigungsform entscheidet erst danach, wie die Person abgerechnet wird: als Minijob mit Personengruppe 109 oder als kurzfristige Beschäftigung nach der 70-Tage-Regelung mit Personengruppe 110. Für die Sofortmeldung spielt das keine Rolle.

Was gemeldet wird

Die Sofortmeldung enthält wenig:

  • Familienname und Vorname
  • Versicherungsnummer, ersatzweise Geburtsdatum, Geburtsort und Anschrift
  • Betriebsnummer des Arbeitgebers
  • Tag der Beschäftigungsaufnahme

Sie wird elektronisch übermittelt, über das Lohnprogramm oder das SV-Meldeportal, mit dem Meldegrund 20. Die normale Anmeldung zur Sozialversicherung (Meldegrund 10) folgt mit der ersten Entgeltabrechnung, spätestens sechs Wochen nach Beginn, und ist davon unabhängig. Nimmt die Person die Arbeit nicht auf, wird die Sofortmeldung storniert.

Wann sie fällig ist: spätestens bei Beschäftigungsbeginn

Spätestens bei Beschäftigungsaufnahme, also bevor die Person die erste Kiste trägt. Nicht am Abend, nicht am Montag danach. Für ein Festival mit 120 Barkräften, die Freitag um 14 Uhr anfangen, heißt das: Die Meldungen müssen Freitagvormittag raus, und dafür müssen die Versicherungsnummern Donnerstag vollständig sein.

Bewerbungsliste in EVENTRA mit Versicherungsnummer als Pflichtfeld
Wer die Versicherungsnummer in der Bewerbung abfragt, hat sie am Einsatztag.

Mitführungspflicht

In denselben Branchen müssen Beschäftigte nach § 2a SchwarzArbG ihren Personalausweis, Pass oder ein Ersatzdokument mitführen und bei einer Prüfung vorlegen. Der Arbeitgeber muss sie darauf schriftlich hinweisen und den Hinweis aufbewahren. Ein Satz im Bewerbungsformular mit Bestätigung erfüllt das.

Bußgeld bei fehlender Sofortmeldung

VerstoßVorschriftBußgeld bis
Sofortmeldung nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig abgegeben§ 111 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV25.000 Euro pro Fall
Beschäftigte führen den Ausweis nicht mit oder legen ihn nicht vor§ 8 Abs. 2 Nr. 1 SchwarzArbG5.000 Euro
Arbeitgeber gibt den schriftlichen Hinweis auf die Mitführungspflicht nicht oder bewahrt ihn nicht auf§ 8 Abs. 2 Nr. 2 SchwarzArbG1.000 Euro

Das Bußgeld für die Sofortmeldung trifft den Arbeitgeber und gilt pro Person, die nicht gemeldet war. Bei 20 Barkräften ohne Meldung ist das Risiko kein Einzelbetrag. Bei einer Prüfung durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls kommen die Fragen nach Mindestlohn, Arbeitszeitnachweisen und Sozialversicherungsstatus gleich mit. Festivals werden geprüft, weil dort viele Aushilfen an wenigen Tagen zusammenkommen. Was die Prüfer bei den Arbeitszeitnachweisen sehen wollen, steht im Artikel zur Zeiterfassungspflicht beim Festival und im Handbuch-Eintrag Arbeitszeitdokumentation.

Security-Kraft prüft am Backstage-Tor das Bändchen eines Crew-Mitglieds
Festivals werden geprüft, weil dort viele Aushilfen an wenigen Tagen zusammenkommen.

So bekommen Sie es am Einsatztag hin

  1. Versicherungsnummer im Bewerbungsprozess abfragen. Wer sie bei der Bewerbung eintragen muss, hat sie am Einsatztag. Wer sie am Einsatztag abfragt, bekommt Geburtsdaten und Rätselraten.
  2. Beschäftigungsbeginn aus dem Schichtplan. Der erste geplante Schichttag ist der Tag der Beschäftigungsaufnahme. Ändert sich die Schicht, ändert sich das Datum.
  3. Meldeliste am Vortag an das Lohnbüro. Alle Personen mit erstem Einsatz am Folgetag, mit Versicherungsnummer und Beginn, als Export. Das Lohnbüro meldet in einem Lauf.
  4. Stornoliste danach. Wer nicht erschienen ist, wird storniert, bevor die Anmeldung erzeugt wird.
  5. Hinweis zur Mitführungspflicht als Pflichtfeld im Bewerbungsformular.
Die Sofortmeldung am Einsatztag in fünf Schritten: Versicherungsnummer im Bewerbungsformular, Beschäftigungsbeginn aus dem Schichtplan, Meldeliste am Vortag an das Lohnbüro, Meldung mit Meldegrund 20 vor Arbeitsbeginn, Stornoliste für Nichterschienene.So bekommen Sie die Sofortmeldung am Einsatztag hin1BewerbungVersicherungsnummerals PflichtfeldHinweis MitführungspflichtEVENTRA2SchichtplanErster Schichttag =Beschäftigungsbeginnändert sich mit der SchichtEVENTRA3Meldeliste am VortagAlle Ersteinsätzedes Folgetagsals Export4Lohnbüro meldetMeldegrund 20an die DSRVvor Arbeitsbeginn5StornolisteNicht erschienen= storniertvor der Anmeldung

Meldegrund 20 vor der ersten Kiste; die Anmeldung mit Meldegrund 10 folgt mit der ersten Abrechnung, unabhängig davon.

Von der Bewerbung bis zur Stornoliste: Die Meldung entsteht aus dem Schichtplan und geht am Vortag als Liste an das Lohnbüro.

Die Sofortmeldung ist der erste Schritt der Abrechnung, nicht ein eigener Prozess. Wie die Stammdaten aus der Bewerbung weiter bis in die Importdatei für DATEV laufen, zeigen die Artikel Lohnabrechnung für Eventpersonal automatisieren und DATEV LODAS Import aus der Zeiterfassung.

Häufige Fragen

Welche Branchen sind sofortmeldepflichtig?

Nach § 28a Abs. 4 SGB IV: Baugewerbe, Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe, Personenbeförderung, Speditions-, Transport- und Logistikgewerbe, Schaustellergewerbe, Forstwirtschaft, Gebäudereinigung, Auf- und Abbau von Messen und Ausstellungen, Fleischwirtschaft, Prostitutionsgewerbe sowie Wach- und Sicherheitsgewerbe. Die Liste ist abschließend.

Wie hoch ist das Bußgeld bei fehlender Sofortmeldung?

Bis 25.000 Euro pro Fall. Eine Sofortmeldung, die nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig abgegeben wird, ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 111 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV. Hinzu kommen getrennte Bußgelder nach dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz: bis 5.000 Euro, wenn Beschäftigte ihren Ausweis nicht mitführen oder vorlegen, und bis 1.000 Euro, wenn der Arbeitgeber den schriftlichen Hinweis darauf nicht gibt oder nicht aufbewahrt.

Für welche Mitarbeiter muss eine Sofortmeldung abgegeben werden?

Für jede Person, die in einem sofortmeldepflichtigen Betrieb oder Betriebsteil eine Beschäftigung aufnimmt, unabhängig von Beschäftigungsform und Dauer: Vollzeit, Teilzeit, Minijob oder kurzfristige Aushilfe für einen Tag. Nicht gemeldet werden ehrenamtliche Helfer ohne Arbeitsverhältnis und Beschäftigte eines beauftragten Dienstleisters, die dieser selbst meldet.

Muss ein Festivalveranstalter Sofortmeldungen abgeben?

Nicht automatisch. Entscheidend ist, ob der Betrieb oder der Betriebsteil, in dem die Person arbeitet, zu einer sofortmeldepflichtigen Branche gehört. Betreibt der Veranstalter die Bars selbst, ist das Gaststättengewerbe. Beauftragt er einen Sicherheitsdienst, ist dessen Betrieb pflichtig, nicht der Veranstalter. Klären Sie die Einordnung mit Ihrer Steuerberatung und dokumentieren Sie sie.

Gilt die Sofortmeldung auch für kurzfristig Beschäftigte und Minijobber?

Ja. Die Pflicht hängt an der Branche, nicht an der Beschäftigungsform. Auch eine Aushilfe für einen Tag muss vor Arbeitsbeginn gemeldet sein.

Gilt sie für ehrenamtliche Helfer?

Nein. Die Sofortmeldung betrifft Beschäftigte. Ehrenamtliche Helfer ohne Arbeitsverhältnis sind nicht zu melden. Erhalten sie eine Vergütung, die über eine Aufwandsentschädigung hinausgeht, kann ein Beschäftigungsverhältnis vorliegen.

Was passiert, wenn die Person am Einsatztag nicht erscheint?

Die Sofortmeldung wird storniert. Sie löst keine Beiträge aus, weil sie keine Anmeldung ist. Die eigentliche Anmeldung mit der ersten Entgeltabrechnung entfällt dann.

EVENTRA erstellt keine Sofortmeldungen. Es liefert dafür das, was Ihr Lohnbüro dazu braucht, bevor die Schicht beginnt: vollständige Stammdaten mit Versicherungsnummer aus der Selbstauskunft der Crew, den geplanten Beschäftigungsbeginn aus dem Schichtplan und einen Export für DATEV oder StoTax, aus dem die Meldung erzeugt wird.

Dieser Beitrag ist eine Einordnung aus der Praxis, keine Rechts- oder Steuerberatung. Rechtsgrundlagen und Grenzwerte werden zum genannten Datum geprüft; verbindlich sind Gesetz, Ihre Steuerberatung und die zuständige Behörde.

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