Recht und Compliance

Ruhezeit bei Veranstaltungen: Die 11 Stunden, die Ausnahmen und der Abbau um 4 Uhr

§ 5 ArbZG verlangt 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit zwischen zwei Schichten. Ausnahmen: 10 Stunden in Gastronomie und Bewirtung, bis 9 Stunden per Tarifvertrag, Abweichungen in Notfällen. Was für Aufbau, Showtag und Abbau gilt, wo der Schichtplan bricht und was mit Volunteers ist.

Adrian Hof, Gründer, EVENTRAGeprüft am

Kurz gesagt

  • Zwischen Ende und Beginn der Arbeit müssen nach § 5 Abs. 1 ArbZG 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit liegen. In Gaststätten und anderen Bewirtungs- und Beherbergungsbetrieben darf sie auf 10 Stunden verkürzt werden, wenn der Ausgleich auf 12 Stunden innerhalb eines Monats erfolgt.
  • Weitere Ausnahmen sind eng: bis 9 Stunden nur mit Tarifvertrag, Abweichungen nach § 14 ArbZG nur in Notfällen und außergewöhnlichen Fällen, Bewilligungen der Behörde nach § 15 ArbZG kaum für ein privates Festival. Ein enger Zeitplan ist keine Ausnahme.
  • Der typische Verstoß beim Festival ist nicht der lange Showtag, sondern der Abbau bis 4 Uhr mit Schichtbeginn um 10 Uhr. Das ist der Schichtplan, nicht das Lohnbüro.
  • § 3 ArbZG
  • § 4 ArbZG
  • § 5 ArbZG
  • § 6 ArbZG
  • § 7 ArbZG
  • § 10 Abs. 1 Nr. 4 ArbZG
  • § 11 Abs. 3 ArbZG
  • § 14 ArbZG
  • § 15 ArbZG
  • § 22 ArbZG
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Bühnencrew baut nachts unter Arbeitslicht eine Festivalbühne ab
Abbau bis 4 Uhr, nächste Schicht um 10 Uhr: die häufigste Ruhezeitverletzung im Festivalplan.

Nach § 5 Abs. 1 ArbZG müssen Arbeitnehmer nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden haben. Für Krankenhäuser und Pflege, Gaststätten und andere Einrichtungen zur Bewirtung und Beherbergung, Verkehrsbetriebe, Rundfunk sowie Landwirtschaft und Tierhaltung erlaubt § 5 Abs. 2 ArbZG eine Verkürzung auf 10 Stunden, wenn jede Verkürzung innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von vier Wochen durch eine Verlängerung einer anderen Ruhezeit auf mindestens 12 Stunden ausgeglichen wird. Für Veranstalter ist die Ruhezeit die Regel, die im Schichtplan am häufigsten bricht, weil sie zwei Tage verbindet, die getrennt geplant werden.

11 Stunden Ruhezeit nach § 5 ArbZG: was genau gilt

  • Ununterbrochen. Die 11 Stunden müssen am Stück liegen. Wird die Person in der Ruhezeit zur Arbeit gerufen, etwa weil der Lkw früher kommt, beginnt die Ruhezeit nach herrschender Auffassung danach neu.
  • Ab Ende der Arbeit. Gezählt wird vom tatsächlichen Arbeitsende, nicht vom geplanten. Ein Abbau, der statt um 2 Uhr um 4 Uhr endet, verschiebt die nächste Schicht um zwei Stunden.
  • Für jede Person, nicht pro Bereich. Wer abends an der Bar und morgens am Einlass steht, hat eine Ruhezeit, nicht zwei.
  • Auch für Minijobber und kurzfristig Beschäftigte. Das Arbeitszeitgesetz kennt keine Ausnahme nach Beschäftigungsform. Die Aushilfe für drei Festivaltage hat dieselben 11 Stunden wie die Festangestellte.

Die Rechnung ist eine Subtraktion: Endet der Abbau um 4 Uhr, beginnt die nächste Schicht frühestens um 15 Uhr. Mit der Gastronomie-Ausnahme wären es 14 Uhr, und eine andere Ruhezeit im selben Monat muss auf 12 Stunden wachsen.

Die 11 Stunden stehen nicht nur im deutschen Gesetz. Auch die EU-Arbeitszeitrichtlinie schreibt eine tägliche Mindestruhezeit von 11 zusammenhängenden Stunden vor (Art. 3 RL 2003/88/EG). Die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes, die statt der täglichen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden und eine Pflicht zur elektronischen Zeiterfassung vorsieht, liegt bisher nur als Referentenentwurf vom Juni 2026 vor und ist nicht beschlossen. Bis dahin gilt das geltende Recht, wie es hier beschrieben ist.

Ausnahmen von der 11-Stunden-Ruhezeit

AusnahmeRechtsgrundlageRuhezeitVoraussetzungBeim Festival
Gastronomie, Bewirtung, Beherbergung§ 5 Abs. 2 ArbZG10 StundenAusgleich auf mindestens 12 Stunden innerhalb eines Kalendermonats oder von vier WochenFür Bar und Catering nutzbar, für Bühnen- und Aufbaucrew nicht: Veranstaltungsbetriebe nennt die Vorschrift nicht
Tarifvertrag§ 7 Abs. 1 Nr. 3 ArbZGbis 9 StundenDie Art der Arbeit erfordert es, Ausgleich in einem festgelegten ZeitraumNur mit Tarifbindung oder einer Betriebsvereinbarung aufgrund eines Tarifvertrags
Notfälle und außergewöhnliche Fälle§ 14 Abs. 1 ArbZGAbweichung möglichUnabhängig vom Willen des Arbeitgebers, Folgen nicht anders zu beseitigenEin Sturm, der den Abbau verschiebt, kann so ein Fall sein. Ein enger Zeitplan ist es nicht
Wenige Personen, unaufschiebbare Arbeit§ 14 Abs. 2 ArbZGAbweichung möglichVorübergehend, verhältnismäßig wenige Arbeitnehmer, andere Vorkehrungen nicht zumutbarKein Planungsinstrument für die ganze Abbaucrew
Bewilligung der Aufsichtsbehörde§ 15 ArbZGabweichende RuhezeitNur für bestimmte Fälle, etwa einen regelmäßigen wöchentlichen Schichtwechsel, oder wenn es im öffentlichen Interesse dringend nötig istFür ein privates Festival selten erreichbar, und nur vor dem Event

Wer Ausnahmen nach § 14 ArbZG nutzt, muss trotzdem im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen auf höchstens 48 Stunden pro Woche kommen (§ 14 Abs. 3 ArbZG). Und wird die tägliche Arbeitszeit per Tarifvertrag über 12 Stunden verlängert, müssen unmittelbar danach 11 Stunden Ruhezeit folgen (§ 7 Abs. 9 ArbZG).

In der Praxis heißt das: Die Ausnahme, mit der man planen kann, ist die Gastronomie-Regel für die Bar. Alles andere ist eine Reserve für den Ernstfall, keine Schichtplanung.

Die vier Grenzen im Arbeitszeitgesetz

RegelGrenzeAusgleich
Tägliche Arbeitszeit, § 38 Stunden, bis 10 Stundenim Durchschnitt 8 Stunden in 6 Monaten oder 24 Wochen
Pausen, § 430 Minuten ab mehr als 6 Stunden, 45 Minuten ab mehr als 9 Stundenspätestens nach 6 Stunden, teilbar in Abschnitte von 15 Minuten
Ruhezeit, § 511 Stunden, in Gastronomie und Bewirtung 10 Stunden12 Stunden innerhalb eines Monats
Nachtarbeit, § 68 Stunden, bis 10 Stundenim Durchschnitt 8 Stunden in einem Monat oder 4 Wochen

Nachtzeit ist 23 bis 6 Uhr. Nachtarbeitnehmer haben Anspruch auf arbeitsmedizinische Untersuchung und auf Ausgleich durch freie Tage oder Zuschlag, § 6 Abs. 5 ArbZG.

Wo der Festivalplan bricht

Ein Showtag mit 12 Stunden ist meist erklärbar, wenn Pausen und der Ausgleich im Halbjahr stimmen. Die Verstöße entstehen an den Übergängen:

  1. Abbau nach der letzten Show. Ende 4 Uhr, nächste Schicht 10 Uhr. Sechs Stunden Ruhezeit. Das ist der häufigste Fall und wird von der Gewerbeaufsicht als erstes geprüft.
  2. Aufbauwoche. Zehn Tage am Stück mit 10 Stunden, ohne dass der Ausgleich auf 8 Stunden im Durchschnitt irgendwo im Halbjahr geplant ist.
  3. Zwei Bereiche, eine Person. Bar bis 2 Uhr, Einlass ab 9 Uhr. Der Barplan und der Einlassplan sind zwei Tabellen, die Person steht in beiden.
  4. Pausen im Zelt. 12 Stunden ohne 45 Minuten dokumentierte Pause. Die Pause muss im Voraus feststehen und die Person muss frei über die Zeit verfügen können. Bereitschaft an der Bar ist keine Pause.
  5. Sonntag ohne Ersatzruhetag. Die Sonntagsarbeit ist erlaubt, der Ersatzruhetag innerhalb von zwei Wochen wird vergessen.
Zwei Schichten derselben Person auf einer Zeitachse: Abbau bis 4 Uhr, nächste Schicht ab 10 Uhr, dazwischen sechs Stunden Ruhezeit statt der elf Stunden nach Paragraf 5 Arbeitszeitgesetz.Wo der Festivalplan bricht: der Abbau nach der letzten ShowSa 12Sa 18So 0So 6So 12So 18Mo 0GeplantErlaubtAbbau20:00 – 4:006 hRuhezeitEinlass10:00 – 18:0011 h Ruhezeit§ 5 ArbZGfrühestens 15:00Ende 4:00Beginn 10:00

Die Ruhezeit ist eine Regel über zwei Schichten: Beim Zuweisen der Frühschicht muss die Nachtschicht sichtbar sein, egal in welchem Bereich sie stand.

Sechs Stunden zwischen Abbau und Einlass, wo elf Stunden vorgeschrieben sind: Die zweite Schicht dürfte frühestens um 15 Uhr beginnen.
Security-Kräfte in Warnwesten öffnen frühmorgens die Absperrungen am Festivaleinlass
Die Frühschicht am Einlass steht in einer anderen Tabelle als die Nachtschicht an der Bar, die Person in beiden.

Volunteers und freie Mitarbeiter

Das Arbeitszeitgesetz gilt für Arbeitnehmer. Ehrenamtliche Helfer fallen nicht darunter, freie Mitarbeiter auch nicht, solange sie tatsächlich selbständig sind. Beides ist keine Einladung, die Grenzen zu ignorieren: Bei Volunteers greift die Unfallversicherung des Veranstalters, und ein Helfer, der nach 16 Stunden mit dem Gabelstapler einen Unfall hat, ist ein Haftungsfall. Bei freien Mitarbeitern, die im Schichtplan stehen und Weisungen bekommen, ist die Selbständigkeit die eigentliche Frage.

Dokumentation

§ 16 Abs. 2 ArbZG verpflichtet den Arbeitgeber, die über 8 Stunden hinausgehende Arbeitszeit aufzuzeichnen und zwei Jahre aufzubewahren. Für Minijobber und in den Branchen des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes verlangt § 17 MiLoG Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit, spätestens am siebten Tag danach. Seit dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 gilt ohnehin eine Pflicht zur Erfassung der gesamten Arbeitszeit. Ein Schichtplan ist kein Nachweis, eine Check-in-Zeit mit Check-out ist einer. Was das beim Festival konkret verlangt, steht im Artikel zur Zeiterfassungspflicht beim Festival und im Handbuch-Eintrag Arbeitszeitdokumentation.

Was das für die Planung heißt

Die Ruhezeit ist eine Regel über zwei Schichten, also muss das Werkzeug, das Schichten zuweist, sie prüfen. Beim Zuweisen der Frühschicht muss die Nachtschicht derselben Person sichtbar sein, egal in welchem Bereich sie stand. Die Pausen gehören als Regel in die Zeiterfassung, der Ersatzruhetag als Sperrtag in den Plan der nächsten zwei Wochen. Wer offene Schichten mit Vorschlägen füllen lässt, sollte darauf achten, dass die Ruhezeit als Regel vor dem Vorschlag geprüft wird, nicht vom Modell geschätzt: Warum, steht im Artikel KI-Schichtplanung für Events.

Ruhezeit-Warnung in der EVENTRA-Schichtplanung beim Zuweisen einer Schicht
Die Warnung erscheint beim Zuweisen, nicht beim Monatsabschluss, und sieht die Schichten aller Bereiche.

Siehe auch: ArbZG im Glossar der Dokumentation und die Schichtplanung in EVENTRA.

Häufige Fragen

Welche Ausnahmen gibt es von der 11-Stunden-Ruhezeit?

Vier: In Gaststätten und anderen Bewirtungs- und Beherbergungsbetrieben darf die Ruhezeit nach § 5 Abs. 2 ArbZG auf 10 Stunden sinken, wenn jede Verkürzung innerhalb eines Kalendermonats oder von vier Wochen durch eine Ruhezeit von mindestens 12 Stunden ausgeglichen wird. Ein Tarifvertrag kann sie nach § 7 Abs. 1 Nr. 3 ArbZG um bis zu zwei Stunden kürzen, also auf 9 Stunden, mit Ausgleich. In Notfällen und außergewöhnlichen, unvorhersehbaren Fällen erlaubt § 14 ArbZG Abweichungen. Und die Aufsichtsbehörde kann nach § 15 ArbZG in engen Fällen abweichende Ruhezeiten bewilligen.

Wie berechne ich die 11 Stunden Ruhezeit?

Die Ruhezeit beginnt mit dem Ende der Arbeit und muss ununterbrochen sein. Endet der Abbau um 4 Uhr, darf die nächste Schicht frühestens um 15 Uhr beginnen. Mit der Gastronomie-Ausnahme von 10 Stunden wäre es 14 Uhr, dann muss eine andere Ruhezeit im selben Monat auf mindestens 12 Stunden verlängert werden.

Gilt das Arbeitszeitgesetz für ehrenamtliche Helfer?

Nein. Das Arbeitszeitgesetz gilt für Arbeitnehmer. Ehrenamtliche Helfer ohne Arbeitsverhältnis fallen nicht darunter. Aus Fürsorge und wegen der Unfallversicherung sollten die Grenzen trotzdem eingehalten werden, und sobald eine Vergütung über eine Aufwandsentschädigung hinausgeht, kann ein Arbeitsverhältnis vorliegen.

Darf die Crew am Sonntag arbeiten?

Ja. Für Musikaufführungen, Theatervorstellungen, Schaustellungen, Darbietungen und ähnliche Veranstaltungen ist Sonn- und Feiertagsarbeit nach § 10 Abs. 1 Nr. 4 ArbZG zulässig. Für einen Arbeitssonntag muss innerhalb von zwei Wochen ein Ersatzruhetag gewährt werden, für einen Feiertag innerhalb von acht Wochen.

Zählt die Fahrt zum Gelände als Arbeitszeit?

Die Fahrt von zu Hause zum Einsatzort ist keine Arbeitszeit. Fahrten während der Arbeit, etwa mit dem Shuttle zwischen zwei Bühnen im Auftrag des Veranstalters, sind Arbeitszeit.

Was passiert bei einem Verstoß?

Verstöße gegen Höchstarbeitszeit, Ruhezeit und Pausen sind Ordnungswidrigkeiten nach § 22 ArbZG mit Bußgeld bis 30.000 Euro. Bei vorsätzlicher Gefährdung der Gesundheit kommt § 23 ArbZG mit Strafbarkeit in Betracht. Zuständig ist die Gewerbeaufsicht des Landes.

EVENTRA prüft beim Zuweisen einer Schicht, ob zwischen dem Ende der vorherigen und dem Beginn der neuen Schicht derselben Person 11 Stunden liegen, und markiert den Konflikt im Plan. Der Abbau um 4 Uhr mit Frühschicht um 10 Uhr fällt beim Planen auf, nicht beim Prüfer.

Dieser Beitrag ist eine Einordnung aus der Praxis, keine Rechts- oder Steuerberatung. Rechtsgrundlagen und Grenzwerte werden zum genannten Datum geprüft; verbindlich sind Gesetz, Ihre Steuerberatung und die zuständige Behörde.

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